Samstag, 3. Oktober 2015

Zu Beginn - Der Pfefferstreuer

Da ich nun von mehreren Freunden, Bekannten und anderweitig mit mir verbundenen Menschen dazu aufgefordert wurde meine Texte online zu stellen, kam ich zu dem Entschluss es nun auch zu tun.
Was erwartet euch also in diesem Blog und was werdet ihr, die Leser, zu sehen bekommen? Ich liebe es zu schreiben. In meinem Kopf geht es beständig darum, wie ich Dinge ausdrücken kann, wie ich Dinge am schönsten beschreiben kann und wie ich Ideen und Geschichten aus allerlei Geschehnissen wortschön zu Papier bringen kann.
Nun gut in diesem Fall online stellen kann. Es fällt mir nicht immer leicht die passenden Worte zu finden, eine verständliche Syntax oder gar eine einwandfreie Rechtschreibung zu benutzen, ich hoffe man sieht es mir nach. 

Zu Beginn möchte ich euch (ich hoffe nebenbei, dass wir uns alle duzen können, ist viel angenehmer ;D ) eine Geschichte präsentieren, welche im Schulunterricht vor etwa einem Jahr entstanden ist. Meine Lehrerin Frau Bregenhorn-Loske, welche Einfluss auf einige weitere Texte genommen hat und selbst nach einem halben Jahr nach Schulende noch immer nimmt und nehmen wird, gab uns den Auftrag eine Geschichte zu schreiben aus der Sicht eines Gegenstandes. Ich mochte die Idee, denn es verbindet doch so vieles von uns mit den Gegenständen um uns herum und in unserem so verdrehten Alltag.
Einer meiner Kursmitglieder schrieb beispielsweise über Kautschuk und eine andere über eine öffentliche Toilette. Die eine eher nachdenklich gestimmt, war die andere voller Ironie über das doch manchmal nicht so stille Örtchen in der Öffentlichkeit. Ich selbst überlegte mir wie sich wohl ein Pfefferstreuer fühlt, da ich selbst unseren hauseigenen Pfefferstreuer nach nun 6 Jahren noch nicht einmal benutzt hatte. 

Der Pfefferstreuer

Es war Tag 29, als mir bewusst wurde, dass ich nie die glorreichen Zeiten erleben werde, welche ich mir erträumt hatte. Als ich noch jung und frisch geformt war, also lange vor dem ersten Tag, da dachte ich mein Weg würde mich in ein wunderbares Restaurant führen. Ich träumte der Held aller Geschmacksknospen zu werden, die alltägliche milde Würze die jeder mochte. Ich wollte ein Salzstreuer sein!
Nachdem ich die Tests auf stumpfe Kanten, eine korrekte Winde und einwandfreie Befüllbarkeit natürlich mit Bravur bestanden hatte, näherte ich mich dem Ende des Fabriklaufbandes, welches ich meine erste Heimat nennen durfte. Es war eine schöne Zeit und ich und alle meine Freunde waren hellauf begeistert von dem was uns unsere Zukunft wohl bringen würde.
Doch dann begann der Schrecken. Wir alle erhielten unsere löchrige Mütze aufgesetzt bevor es hinaus in die weite Welt ging und zu meinem Schrecken und tiefstem Bedauern erhielt ich eine Stanzung, welche nicht im Ansatz meinen Qualitäten entsprach. Ich war entrüstet und es trieb mir fast den Rost auf meine Edelstahlhülle! Es war ein "P" auf meine Haube gestanzt worden. "P", wie Pech! "P", wie Pessimismus! "P" - wie Pfeffer...

Ich wurde in einem schwedischen Großhallenmöbelhaus ausgestellt und schon nach etwa vier Stunden eingekauft. Immerhin hatte man mich direkt nach vorne gestellt. Ob meines gebrochenen Herzens weiß ich jedoch nicht, ob es Trost und beißendem Spott zu verdanken war. 
Tag 1 in meiner neuen Heimat war - nett. Die "Mama" wie sie von drei Menschen genannt wurde, wusch und befüllt mich mit... naja ihr wisst schon.
Sie prüfte kurz ob ich denn auch meine Funktion erfüllte und ich gab mein bestes. Über der Spüle, welche wohl mein erster Einsatzort war, gab ich den Pfeffer heraus. Es war nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Ab hier endete jedoch jegliche Freude in meinem Leben und der Horror über den ich mich in meiner alten Heimat noch lustig machte traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Dieses einfältige Weibsstück gab mir für meine Bemühungen nichts weiter als ein geringschätziges Murren und stellte mich, zu allem Überfluss, neben Ihn. Ihn diesen arroganten, selbstgefälligen, immer grinsenden und ständig gut gelaunten Mistkerl, welcher die Krone jeglicher Verhöhnung an meiner Person ist! 
Er ist der Salzstreuer in diesem Haus.
Wie er sich ständig, mit dümmlichem Grinsen und übermäßiger Freude auf seine Dauereinsätze bereit macht. Egal, ob nun Nudeln, Suppe, Kartoffeln oder Eier! Die Verbrauchen so viele Eier in diesem Haushalt und nicht einmal Omelett oder Rührei! Das ist doch wohl nicht wahr, verdammt!

Ich bin nun seit 138 Tagen hier.
Seit meiner Ankunft konnte ich meinen Pfeffer nur zu einer Sache dazugeben: dem Boden.
Dieses Balg hat mich einfach genommen und zu Boden geworfen. Ich will ja benutzt werden, aber doch nicht so! Nun ist es also wieder Abend und dieses fünfköpfige Schmarotzerpack stopft sich wieder den Rachen voll. Wer wird in die Hand genommen und wer nicht ? Richtig, er und nicht ich.Es ist so deprimierend. Wozu wurde ich gekauft, wenn ich nicht benutzt werde. Ich habe langsam die Faxen dicke. Ich fühle mich vernachlässigt.
Sie nehmen hier ein wenig Salz, da ein wenig Salz und von mir ein wenig gar nichts
Moment! Stop. Stop. Stop. Die älteste Tochter, sie greift nach mir. Träume ich ? Welche wunderbare Katharsis durchläuft meinen Geist ? Oh dieses engelsgleiche Wesen wird mich benutzen. Endlich habe ich die Chance allen zu zeigen, dass auch ich ein wahrer Könner bin, ein glanzvoller Meister seines Fachwerks und nicht so ein Stümper wie der Rest meines häuslichen Kollegiums. Was höre ich dort aus ihrem Munde ? 
Die Worte in ihrer himmlischen Schönheit sind kaum zu verstehen, so verzaubert bin ich von ihr.
" Der... Pfeffer...streuer... ist...leer."
...
Und wie ein Spiegel, zerschlagen von der Faust des Schicksals, zerbrachen meine letzten Träume und Hoffnungen. Wie? Wie kann es sein, dass ich leer bin ? Ich wurde doch nie, noch nicht einmal be-...
Nein! Nein, nein, nein, nein! Dieses verdammte Blag von einem nichtsnutzigen Kind. Es hatte mich zu Boden geworfen und mich dann nicht wieder befüllt. 
Ich schielte zu der versabberten Kotzglocke herüber, welche wie immer ein totales Chaos am Essenstisch anrichtete. Du! Dich mag mein Zorn treffen!
Da stehe ich wieder neben dem Salzstreuer. Er sagt nichts, grinst nur hoch in das pickelige Angesicht unserer Besitzerin.
Was solls, Tag 139, bisher wurde ich noch immer nicht benutzt, bin nun schon einige Zeit leer und brauche wohl auf eine Wiederauffüllung nicht hoffen.

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