Sonntag, 4. Oktober 2015

Mutter der Erde, Vater des Himmels - Wege eines Tauren

Eigentlich hatte ich geplant einige meiner Gedichte hier heute hochzuladen, aber ich habe mich dagegen entschieden. Hauptsächlich nur weil ich keine Lust hatte sie heute abzutippen. Daher müsst ihr euch mit einer Kurzgeschichte begnügen. Leute die mich schon etwas länger kennen, wissen um meine Leidenschaft für Rollenspiel. Ich rede nun weder von einem sexuellen Fetisch (...wobei so ne scharfe Krankenschwester...egal!), noch von einem RPG. Nicht ganz. Ich spiele World of Warcraft, kurz WoW, was einigen sicherlich ein Begriff ist. Anstatt jedoch zu looten und leveln lebe ich mit meinen Mitspielern die Geschichte der Welt und unserer eigens erdachten Charaktere aus. Es macht Spaß und ihr dürft nun einen Ausschnitt aus dem Leben meines Tauren Menewo und seines Kodobegleiters Ka'nuhwes erleben. Wer die Welt kennt wird einige Namen wiedererkennen, wer nicht darf einfach eine Kurzgeschichte erleben.

Lange noch ,bist tief in die Nacht durchschritt der Tauren die Savanne des Brachlandes. Früh am Morgen ist er erwacht und verließ zusammen mit dem Rest den hordischen Gästen Theramores die Stadt. In den Augen der Menschen sah er gemischte Gefühle. Die meisten waren froh. Menschenkinder blickten auf zu den viel größeren, fremden Völkern. Nein, fremd waren sie sich nicht mehr gänzlich. Es war ein kurzes Aufeinandertreffen all dieser verschiedenen Kulturen und doch, trotz all der Unterschiede, der Vorurteile, des Hasses und der Angst, gab es einen Austausch. Der große Tauren war sich dem sicher. Er sprach mit Menschen, Zwergen und Gnomen, so wie er mit Orks und Trollen sprach. Naiv war Menewo nicht. Er wusste, dass die kurze Zeit nie gereicht hätte um auch nur ansatzweise vollkommenen Frieden zu schaffen – und doch war der Frieden auf dem Fest ein Balsam für all die gepeinigten Seelen. Für all jene, welche die Ereignisse am heiligen Baum nicht vergessen konnten. Für all jene – und für ihn.

Es war nun schon einige Stunden her, seitdem er seine Hufe auf die trockene Erde seiner Heimat setzte. Wenig später hatte er sich von Shurkul und den anderen verabschiedet und hatte eine kleine Oase angesteuert die nicht weit entfernt vom Camp Taurajo war. An'She hatte erneut das Haupt gesenkt und überließ Mu'Sha die Wacht. Ka'nhuwe ruhte eine Stück abseits von Menewo und trank in großen Zügen aus der klaren Quelle. Menewo tat es ihm gleich und befüllte die Trinkschläuche für die Weiterreise, als er plötzlich ein Rascheln hinter sich vernahm. Aufmerksam lauschte er nach weiteren Geräuschen. Das Zirpen der Savanne hatte sich nicht verändert, die sengende Hitze hatte sich gelegt und einige Tiere hatten sich ebenfalls der Quelle genähert, doch wer oder was verbarg sich im nahen Gewächs der Oase? Menewo erhob sich und band die Trinkschläuche, welche die Länge eines Orcwelpen besaßen an die Seiten seines Kodos. Seine Waffen waren griffbereit. Es war keine Anspannung in der Luft, die Tiere des Brachlandes ruhten sich aus, einzig Menewo und Ka'nhuwe waren aufmerksam. Langsam wendete sich sein Blick in die Richtung aus der das Rascheln kam. Was lag dort verborgen? War es ein Feind, oder doch nur eine scheue Kreatur?

Plötzlich brach eine Gruppe Stacheleber aus dem Gebüsch hervor. Menewo zählte fünf von ihnen. Er löste seine Hellebarde mit einem Griff und stellte sich schützend und kampfbereit vor seinen Gefährten. Selbiger erhob sich und schnaubte einmal laut auf. Eine Gruppe Zhevras wieherte auf und flüchtete zu der naheliegenden Herde. Zwei der Stacheleber waren mit Speeren bewaffnet und stellten sich – bereit zum Angriff – vor ihm auf. Zwei weitere zogen den fünften zur Wasserquelle und verabreichten ihm das Wasser. Menewos blick huschte zwischen den Kriegern und den anderen Dreien hin und her. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass sie ihn nicht attackieren wollten, sondern ihren Gefährten schützen wollten. Er mussterte die Gestalt am Boden. Es war ein Stacheleber, jedoch kleiner als seine Brüder, ihm fehlte es an Fell und er wirkte verletzt. Menewo wusste um die Auseinandersetzungen zwischen zwei Stacheleberstämmen und auch die zwischen den Ebern und dem Camp Taurajo. Er wusste, würde er kämpfen würde er vermutlich gewinnen. Die Eber waren schmächtig, schlecht ausgerüstet und würden gegen seine Schläge nicht standhalten können.
Doch er blieb ruhig stehen. Was wäre dies für ein Kampf? Niemals würde er diese Kreaturen attackieren, geschweige denn sie töten. Er sah die Panik im Blick der Krieger, ihre Angst, wie sie leicht zitternd ihre Speere seiner Kehle entgegenstreckten. Menewo beobachtete wie die Stacheleber mit ein wenig Stoff die Wunden ihres Freundes zu verbinden versuchten. Bekümmert stellte er Die Hellebarde auf und lockerte seine Haltung, doch mit jeder seiner Bewegungen zuckten die Krieger vor ihm. Er verstand sie nicht, ihre Sprache war eine Mischung aus schweinischem Grunzen und seltsamen Lauten. Er griff in einen Beutel, er hatte dort etwas Dörrfleisch und Medizin als plötzlich ein Schmerz seinen Arm durchzuckte. Einer der Krieger ist vorgestürmt und hatte die wenigen Meter zu ihm überwunden und ihm den Speer in den Oberarm gestoßen, mit welchem er in die Tasche gegriffen hatte. Der Speer hatte ihn geschnitten. Die Wunde war nicht tief, aber sie blutete und schmerzte. Der zweite Eberkrieger quietschte auf und stürmte ebenso auf den Taurenkrieger zu. Panisch schwang er seinen Speer und versuchte den Tauren zu verletzen. Dieser Schwang seine Hellebarde und stieß die beiden Eber zurück. Erneut wollten sie auf ihn zustürmen, doch das Brüllen Ka'nhuwes ließ sie erstarren. Eine kurze Stille trat ein. Der Wind erlosch und lauschte statt zu flüstern. Langsam zog Menewo seinen verwundeten Arm aus der Tasche. Er stampfte mit ruhigen Schritten an den vor Schreck erstarrten Kriegern vorbei und hielt vor der Dreiergruppe an. Ebenfalls Angst im Blick stellten sie sich schützend vor ihren Kameraden. Ein Lächeln umspielte die Schnauze des Tauren, als er ihnen das Fleisch und das Verbandszeug mit Salbe vor den Kranken legte. Er wandte sich um, bestieg den Sattel und machte sich auf. Noch immer schien der Schock den Ebern in den Gliedern zu stecken. Nach ein paar hundert Metern blickte er zurück. Die Gruppe war verschwunden, das Verbandszeug und die Nahrung auch.

Stunden vergingen. Er selbst hatte seinen Arm in der Zeit verbunden und lief nun neben Ka'nhuwe her. Beide durchstampften sie die gewaltige Savanne, die er seine Heimat nannte. Er wollte am Camp Taurajo halt machen, aber seine Hufe trugen ihn weiter. Ihm war nicht nach der Gesellschaft anderer Tauren und Orks. Ihm war nicht danach von der Lage dort zu hören. Ihm war nach Ruhe und dem Flüstern des Windes. Ihm war nach erfrischender Luft und kühlen Brisen.

In der Ruhe dachte er nach. Schweifte in Erinnerungen ab, die weit entfernt, verborgen durch den Nebel der Zeit, in seinem Geist schlummerten. Erinnerungen an Familie und Freunde. Alte und dann auch neue Freunde. Noch eine Weile hatte er die Ebene durchschritten und Mu'sha hatte schon einen lange Linie gezogen, als er sein Lager aufschlug. Weit in der Ferne erkannte er die dunklen Schemen des Stenkrallengebirges. Es war sein nächstes Ziel, doch dann kam ihn ein anderer Gedanke. Er hatte keine Gelegenheit gehabt mit dem Rottenmeister Ogerfluch zu sprechen. Er hatte einen Gedanken gehabt den er mit ihm besprechen wollte. Dort, in der Ebene, in der Ruhe, nahm der Gedanke mehr an Form an und es schien ihm, das er sein nächstes Ziel nochmal überdenken musste.

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