Lange noch ,bist
tief in die Nacht durchschritt der Tauren die Savanne des
Brachlandes. Früh am Morgen ist er erwacht und verließ zusammen mit
dem Rest den hordischen Gästen Theramores die Stadt. In den Augen
der Menschen sah er gemischte Gefühle. Die meisten waren froh.
Menschenkinder blickten auf zu den viel größeren, fremden Völkern.
Nein, fremd waren sie sich nicht mehr gänzlich. Es war ein kurzes
Aufeinandertreffen all dieser verschiedenen Kulturen und doch, trotz
all der Unterschiede, der Vorurteile, des Hasses und der Angst, gab
es einen Austausch. Der große Tauren war sich dem sicher. Er sprach
mit Menschen, Zwergen und Gnomen, so wie er mit Orks und Trollen
sprach. Naiv war Menewo nicht. Er wusste, dass die kurze Zeit nie
gereicht hätte um auch nur ansatzweise vollkommenen Frieden zu
schaffen – und doch war der Frieden auf dem Fest ein Balsam für
all die gepeinigten Seelen. Für all jene, welche die Ereignisse am
heiligen Baum nicht vergessen konnten. Für all jene – und für
ihn.
Es war nun schon
einige Stunden her, seitdem er seine Hufe auf die trockene Erde
seiner Heimat setzte. Wenig später hatte er sich von Shurkul und den
anderen verabschiedet und hatte eine kleine Oase angesteuert die
nicht weit entfernt vom Camp Taurajo war. An'She hatte erneut das
Haupt gesenkt und überließ Mu'Sha die Wacht. Ka'nhuwe ruhte eine
Stück abseits von Menewo und trank in großen Zügen aus der klaren
Quelle. Menewo tat es ihm gleich und befüllte die Trinkschläuche
für die Weiterreise, als er plötzlich ein Rascheln hinter sich
vernahm. Aufmerksam lauschte er nach weiteren Geräuschen. Das Zirpen
der Savanne hatte sich nicht verändert, die sengende Hitze hatte
sich gelegt und einige Tiere hatten sich ebenfalls der Quelle
genähert, doch wer oder was verbarg sich im nahen Gewächs der Oase?
Menewo erhob sich und band die Trinkschläuche, welche die Länge
eines Orcwelpen besaßen an die Seiten seines Kodos. Seine Waffen
waren griffbereit. Es war keine Anspannung in der Luft, die Tiere des
Brachlandes ruhten sich aus, einzig Menewo und Ka'nhuwe waren
aufmerksam. Langsam wendete sich sein Blick in die Richtung aus der
das Rascheln kam. Was lag dort verborgen? War es ein Feind, oder doch
nur eine scheue Kreatur?
Plötzlich brach
eine Gruppe Stacheleber aus dem Gebüsch hervor. Menewo zählte fünf
von ihnen. Er löste seine Hellebarde mit einem Griff und stellte
sich schützend und kampfbereit vor seinen Gefährten. Selbiger erhob
sich und schnaubte einmal laut auf. Eine Gruppe Zhevras wieherte auf
und flüchtete zu der naheliegenden Herde. Zwei der Stacheleber waren
mit Speeren bewaffnet und stellten sich – bereit zum Angriff –
vor ihm auf. Zwei weitere zogen den fünften zur Wasserquelle und
verabreichten ihm das Wasser. Menewos blick huschte zwischen den
Kriegern und den anderen Dreien hin und her. Plötzlich wurde ihm
bewusst, dass sie ihn nicht attackieren wollten, sondern ihren
Gefährten schützen wollten. Er mussterte die Gestalt am Boden. Es
war ein Stacheleber, jedoch kleiner als seine Brüder, ihm fehlte es
an Fell und er wirkte verletzt. Menewo wusste um die
Auseinandersetzungen zwischen zwei Stacheleberstämmen und auch die
zwischen den Ebern und dem Camp Taurajo. Er wusste, würde er kämpfen
würde er vermutlich gewinnen. Die Eber waren schmächtig, schlecht
ausgerüstet und würden gegen seine Schläge nicht standhalten
können.
Doch er blieb ruhig
stehen. Was wäre dies für ein Kampf? Niemals würde er diese
Kreaturen attackieren, geschweige denn sie töten. Er sah die Panik
im Blick der Krieger, ihre Angst, wie sie leicht zitternd ihre Speere
seiner Kehle entgegenstreckten. Menewo beobachtete wie die
Stacheleber mit ein wenig Stoff die Wunden ihres Freundes zu
verbinden versuchten. Bekümmert stellte er Die Hellebarde auf und
lockerte seine Haltung, doch mit jeder seiner Bewegungen zuckten die
Krieger vor ihm. Er verstand sie nicht, ihre Sprache war eine
Mischung aus schweinischem Grunzen und seltsamen Lauten. Er griff in
einen Beutel, er hatte dort etwas Dörrfleisch und Medizin als
plötzlich ein Schmerz seinen Arm durchzuckte. Einer der Krieger ist
vorgestürmt und hatte die wenigen Meter zu ihm überwunden und ihm
den Speer in den Oberarm gestoßen, mit welchem er in die Tasche
gegriffen hatte. Der Speer hatte ihn geschnitten. Die Wunde war nicht
tief, aber sie blutete und schmerzte. Der zweite Eberkrieger
quietschte auf und stürmte ebenso auf den Taurenkrieger zu. Panisch
schwang er seinen Speer und versuchte den Tauren zu verletzen. Dieser
Schwang seine Hellebarde und stieß die beiden Eber zurück. Erneut
wollten sie auf ihn zustürmen, doch das Brüllen Ka'nhuwes ließ sie
erstarren. Eine kurze Stille trat ein. Der Wind erlosch und lauschte
statt zu flüstern. Langsam zog Menewo seinen verwundeten Arm aus der
Tasche. Er stampfte mit ruhigen Schritten an den vor Schreck
erstarrten Kriegern vorbei und hielt vor der Dreiergruppe an.
Ebenfalls Angst im Blick stellten sie sich schützend vor ihren
Kameraden. Ein Lächeln umspielte die Schnauze des Tauren, als er
ihnen das Fleisch und das Verbandszeug mit Salbe vor den Kranken
legte. Er wandte sich um, bestieg den Sattel und machte sich auf.
Noch immer schien der Schock den Ebern in den Gliedern zu stecken.
Nach ein paar hundert Metern blickte er zurück. Die Gruppe war
verschwunden, das Verbandszeug und die Nahrung auch.
Stunden vergingen.
Er selbst hatte seinen Arm in der Zeit verbunden und lief nun neben
Ka'nhuwe her. Beide durchstampften sie die gewaltige Savanne, die er
seine Heimat nannte. Er wollte am Camp Taurajo halt machen, aber
seine Hufe trugen ihn weiter. Ihm war nicht nach der Gesellschaft
anderer Tauren und Orks. Ihm war nicht danach von der Lage dort zu
hören. Ihm war nach Ruhe und dem Flüstern des Windes. Ihm war nach
erfrischender Luft und kühlen Brisen.
In der Ruhe dachte
er nach. Schweifte in Erinnerungen ab, die weit entfernt, verborgen
durch den Nebel der Zeit, in seinem Geist schlummerten. Erinnerungen
an Familie und Freunde. Alte und dann auch neue Freunde. Noch eine
Weile hatte er die Ebene durchschritten und Mu'sha hatte schon einen
lange Linie gezogen, als er sein Lager aufschlug. Weit in der Ferne
erkannte er die dunklen Schemen des Stenkrallengebirges. Es war sein
nächstes Ziel, doch dann kam ihn ein anderer Gedanke. Er hatte keine
Gelegenheit gehabt mit dem Rottenmeister Ogerfluch zu sprechen. Er
hatte einen Gedanken gehabt den er mit ihm besprechen wollte. Dort,
in der Ebene, in der Ruhe, nahm der Gedanke mehr an Form an und es
schien ihm, das er sein nächstes Ziel nochmal überdenken musste.
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