Samstag, 18. Juni 2016

Frei von der Seele #3 - Tod

Wie oft hast du dir schon ernsthafte Gedanken über den Tod gemacht? Was hast du dabei für Überlegungen angestellt? Hast du dabei an Religion gedacht? Gott, das Paradies, Wiedergeburt, Walhalla oder das Nirwana? Das Ironische am Tod ist, dass wir alle wissen das er kommt. Wir realisieren es nur ungern, verdrängen es aber am Ende sterben wir alle. Wir wisse das! Wir wissen aber nicht wann. Das einzige was wir wirklich müssen geschieht dann, wenn wir es nicht wissen. Mittlerweile sehen wir den Tod überall. Wir sehen Krieg in den Nachrichten, Unfälle vor unserer Haustür, geschlachtete Tier und erschlagene Insekten. Wir haben den Tod immer um uns. Er ist der größte aller Schatten, der über uns schwebt. Trotz alldem ist unsere Ignoranz ihm gegenüber nicht größer. Wann ist der Tod dir zuletzt bewusst geworden?

Ich denke darüber nach, weil mir auf Youtube dauerhaft Videos von Christina Grimmie empfohlen werden. Wie einige vielleicht mitbekommen haben starb sie am 10.06.2016 in Folge eines Pistolenschusses. zwei Tage später kam es zu einem Massaker in einem Club für Homosexuelle. Beides in Orlando, Florida. Ich will nicht sagen die Stadt sei der Quell dieser Geschehnisse aber ich war ... wütend. Ich habe mich gefragt wieso Leute einfach so erschossen werden. Ich frage mich das oft. Ich frage mich wieso in den U.S.A Waffen so einfach zu erhalten sind. Warum exportiert Deutschland so viele Waffen in Krisengebiete? Warum müssen so viele Menschen sterben und warum kümmert es uns so wenig? Der Tod von Christina und der Homosexuellen, der Tod von Frauen, Kindern, Männern, Liebenden, Trauernden, Lachenden sind vollkommen unnötig. Es ist ungerecht.

Ich möchte versuchen euch etwas über das Leben und den Tod verständlich zu machen. Es handelt sich hierbei um meine persönliche Auffassung. Lasst uns mit dem Tod anfangen und hierbei will ich direkt in zwei Kategorien unterscheiden. Das eine ist der natürliche Tod, das andere der gewaltsame Tod. 
Der natürliche Tod ist die große andere Seite unserer Existenz. Er ist nicht weniger schmerzhaft als jeder andere Tod aber in vielen Fällen der "gerechte" Tod. Ich sage nicht es ist gerecht, wenn ein junger Mann an Krebs stirbt, ein Kind an Fieber oder ein Vater an einer Lungenentzündung aber dies sind Dinge die so unaufhaltsam sind wie der Tod selbst. Ich möchte auch nicht rigoros darüber diskutieren. Wichtiger ist mir das Thema über den gewaltsamen Tod. 
Der gewaltsame Tod durch Mord ist mir vollends unverständlich. Ich kenne die Gefühle blanken Hasses und niederträchtiger Eifersucht, aber Mord war für mich nie einen Gedanken wert. Und somit beschäftigt mich die Frage: Wieso hat Kevin Loible Christina erschossen? Er war fanatisch in sie verliebt, auf  fehlende Annäherung folgte dann der Mord. Er kam also nicht damit klar zurückgewiesen worden zu sein. 
Was ihm fehlte und das fehlt dir, lieber Leser, vielleicht auch, war vermutlich das Bewusstsein und die schwere der Tat. Du hast von diesem Mord gehört, du bist überrascht, findest es "heftig" oder "völlig krank" und danach? Danach widmest du dich meist wieder deinem Leben. Du hast den Tod so schnell wieder verdrängt wie er in dein Leben trat. Das kann Christinas Familie nicht. Lass mich versuchen dir klar zu machen wie schwer diese Tat ist. Stell dir das Leid der Mutter vor. Versuche dir vorzustellen wie diese Nachricht sie getroffen hat. Der Unglaube, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und dann die Trauer. Dieses tiefe, leere Gefühl in deinem Magen, dass dir die Tränen in die Augen treibt. Vollendete Machtlosigkeit. Jetzt summiere dieses Gefühl, denn sie hat einen Vater, einen Bruder, Freunde und Bekannte. Sie hatte Fans und allem voran schien sie ein guter und lebensfroher Mensch zu sein. 

Das tut weh.

Christina ist nicht die einzige die an diesem Wochenende unrechtmäßig starb. Etwa 50 Homosexuelle starben im Pulse in Orlando. Was diese Tat in meinen Augen noch grässlicher macht ist die Reaktion davon. Während ich bei Christina Wellen von Trauer und gutem Zuspruch für ihre Familie finde, sind die Reaktionen über die Homosexuellen ganz andere. Ich lese davon, wie Menschen dies gut hießen. Sie feierten den Mörder(!) als Helden, als Krieger Gottes oder einfach als gerechten Mann. Mein Zynismus geht nicht weit genug um das tolerieren zu können. Dieser Abschaum von Menschen würdigt jedes einzelne Leben dieser Homosexuellen weniger als das der Musikerin, nur weil sie Homosexuell sind. Ist euch eigentlich dieser Wahnsinn bewusst? Das waren Menschen! Geboren von einer Mutter, herangezogen von einem Vater, geliebt von Freunden und Familie. Sie werden durch intolerantes Gesindel schon genug diskriminiert, sie dann auch noch zu ermorden und tausenden Anderen Angst zu machen ist die Krone menschlicher Dekadenz. Ich kann mich nicht mal mehr daran amüsieren, dass Konservative Destruktoren wie Donald Trump sich in der Zwickmühle befinden sich zwischen Homo- und Islamophobie entscheiden zu müssen. 


Ich muss mal kurz durchatmen. Ich bin nun schon gut eine Stunde an diesem Text dran, da meine Gedanken leider immer etwas abschweifen und ich eine nette Konversation halte. Es ist etwas grotesk über den Tod zu schreiben, während man sich nett über verflossene (Ex-) Liebschaften unterhält. 
Lasst mich also versuchen meine Intention gesammelt zu verfassen:

Hass und Zorn gegen jedes Individuum sind Gefühle die in uns schlummern und dies ist auch berechtigt. Manchmal empfindet man Zorn, manchmal empfindet man Hass, doch lasst euch nicht davon leiten. Erkennt das Leben als den einzigen wundervollen Versuch etwas großes zu erschaffen, denn am Ende kann nur eines auf uns warten. Konzentriert euer Leben auf das was ihr jetzt wollt. Was ihr erschaffen und hinterlassen könnt. Denkt nicht an das was danach kommt, sondern nehmt die Leere als Antrieb für das was voller Wunder ist. 

Movlent

P.S. Ich weiß ich sollte nochmal Korrektur lesen, aber ich bin zu müde dafür.

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